Aufwärtstrend für Euro-Dollar

Konstant nach oben ging es in der letzten Handelswoche für Euro-Dollar. Die Gemeinschaftswährung startete im knapp über dem Verlaufstief bei 1,2623 und bekam am Dienstag Auftrieb. Erst knapp über 1,28 ging dem Euro die Luft aus, der anschließende Rücksetzer endete jedoch deutlich über der 1,27. Bis Freitag ging es dann kontinuierlich und praktisch ohne Korrekturen nach oben, am letzten Handelstag der Woche erreichte der Euro dann sein Wochenhoch bei 1,2985.

Die Welt scheint also wieder in Ordnung zu sein für den Euro. Da wird Frankreich abgestuft – man registriert es mit einem Schulterzucken. Dagegen verlaufen die Anleiheauktionen Spaniens, Frankreichs und Italiens sehr ordentlich, wer auch immer hier die Käufer dieser Anleihen sein mögen. Durchaus möglich, daß die EZB mit ihrer Politik Liquidität in die Banken zu pumpen, zumindest kurzfristig auf dem richtigen Weg ist. Diesen Weg hatte schon George Soros vorgeschlagen: die Banken sind die Achillesverse des Systems, also muß man sie stützen, um den Crash von Staatsanleihen zu verhindern. Im Mindesten ist diese Strategie intelligenter als das Auspacken der Bazooka durch die EZB, wie es aus angelsächsischen Länder immer wieder mantraartig gefordert wird. Ob diese Strategie aber auch langfristig funktioniert, muß sich noch zeigen.

Ein wesentlicher Treiber für die Gegenbewegung in Euro-Dollar ist fraglos der Optimismus in Sachen Griechenland. Ob aus Athen oder Brüssel, überall wird Optimismus verbreitet, man stehe unmittelbar vor dem Abschluß, spätestens am letzten Wochenende sollte ja ein Kompromiß in trockenen Tüchern sein. Passiert ist aber noch nichts. Man darf daher die Aussagen als (un)gesunden Zweckoptimismus werten, eine Art tranquilizer für die Märkte.

Es empfiehlt sich ein gesundes Mißtrauen gegenüber den Vorab-Jubelmeldungen in der Griechenland-Frage. Selbst wenn man sich nun auf einen haircut einigt, das Problem wird früher oder später wieder auf den Tisch kommen. Selbst ein Abschlag von 80% wird Griechenland nicht aus dem Schlamassel bringen können, weil eben die Reformen nicht wirklich angegangen werden.

Ansonsten bleibt es beim alten Spiel. Forderungen von Monti oder Lagarde nach einer Aufstockung des Rettungsfonds werden von Deutschland zurück gewiesen, und daran wird sich wohl nichts ändern, bis der Baum dann lichterloh brennt. Auch wenn der Euro also derzeit etwas Aufrieb hat, ändert das doch nichts an der Grundproblematik: Deutschland will nicht (mehr) zahlen.

Wir erwarten daher auch in näherer Zukunft keine nachhaltige Euro-Ralley. Die Gemeinschaftswährung hat noch Luft bis 1,3080, dann sollte es zu einer umfangreicheren Korrektur kommen. Auf der Unterseite bietet die alte Marke bei 1,2860 Unterstützung, sodann in der Zone 1,2623-1,2670/80.

Erneut mit Zugewinnen beendete der DAX die letzte Handelswoche. Nach einem Start knapp über 6100 Punkten konnte der Index in Abwesenheit der US-Märkte gleich am Montag deutlich zulegen und eröffnete dann am Dienstag mit einem Aufwärtsgap. Bis Freitag zeigte der Dax kaum Schwäche und stieg kontinuierlich bis an den Widerstand bei 6430/40. Nach einer etwas schwächeren Eröffnung am heutigen Montag gelang dem Index dann der Sprung über diesen wichtigen Widerstand, allerdings fehlen bislang Anschlußkäufe.

Erstaunlich an der Aufwärtsbewegung ist, daß sie kaum Schwungkraft hat und eher ein langsames nach oben Schleichen denn eine veritable Ralley ist. Hinzu kommt, daß der Anstieg unter dünnstem Volumen geschieht – und das ungewöhnlicherweise während der US-Berichtssaison (wir haben derzeit in den USA das geringste Handelsvolumen seit 2008). Letztere verläuft überwiegend gut, doch scheint dies nicht der wahre Treiber der Kurse zu sein.

Wichtiger ist wohl die massive Bereitstellung von Liquidität druch die EZB an die Banken, die das Vertrauen in den (europäischen) Bankensektor zumindest vorübergehend zurück gebracht hat. So zählen die Banken zu den maßgeblichen Kurstreibern – es ist ja eine Binsenweisheit, daß ohne den Finanzsektor keine nachhaltige Aufwärtsbewegung stattfinden kann. Dieses Vertrauen ist gut, darf aber nicht darüber hinweg täuschen, daß die Banken noch jede Menge Leichen im Keller haben – sonst würden sie sich gegenseitig nicht derart mißtrauen und das Geld zu ungünstigen Konditionen bei der EZB parken.

Wie auch immer: der Start der US-Börsen ist der beste Jahresauftakt seit 1987. Die Betagteren unter Ihnen werden sich noch an dieses Jahr erinnern, als im Oktober ein massiver Crash die Kurse einbrechen ließ. Wir würden uns nicht wundern, wenn der positive Auftakt ins Jahr 2012 ähnlich wie 1987 in einem herbstlichen Desaster enden würde – insbesondere dann, wenn der Optimismus weiter zunimmt und das Wort „Krise“ ausser Mode gekommen sein wird.

Charttechnisch sieht der Dax mit Bruch des 6430/40-Widerstands positiv aus, doch vermissen wir, wie oben beschrieben, die impulsiven Anschlußkäufe. Neben der Griechenland-Frage liegt der Fokus in dieser Woche auf der Fed-Sitzung (Ergebnis Mittwoch abend) sowie auf US-Unternehmensergebnissen (u.a. Apple). Im Grunde sollte nun der Weg in Richtung 7000 frei sein, doch bleiben wir gegenüber der derzeitigen Aufwärtsbewegung nicht ohne Vorbehalte. Auf der Unterseite wartet bei 6215 Punkten noch ein zu füllendes Gap.

Quelle: www.wirtschaftsdaten-konkret.de

Mag. Pharm Marko Hanzelic – Mann, Unternehmer, Apotheker, Journalist, Fußballspieler, Winzer, Gurman, Autoliebhaber, Motivator, Weltenbummler und Weltverbesserer.

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