Wochenanalyse: Ifo-Index besser als erwartet ausgefallen, gute US-Konjunkturdaten

Starke Zugewinne verbuchte Euro-Dollar in der letzten Handelswoche. Nach einem Start im Bereich 1,32 pendelte die Gemeinschaftswährung bis Mittwoch in einer geringen Spanne zwischen 1,3185 und 1,3295. Ab Donnerstag ging es dann kontinuierlich nach oben, ausgelöst zunächst durch den besser als erwartet ausgefallenen ifo-Index sowie gute US-Konjunkturdaten (Erstanträge, Hauspreise). Am Freitag folgte dann – ohne relevante Nachrichten – der nächste Aufwärtsschub, der den Euro in der Spitze auf 1,3486 katapultierte. Am heutigen Montag kommt die Gemeinschaftswährung wieder unter Druck und handelt in Sichtweite der 1,34.

Wesentlicher Treiber für den Anstieg sind nicht fundamentale Gründe, sondern zunächst einmal die ausserordentlich hohe Quote von Shortpositionen auf den Euro, die derzeit eingedeckt werden müssen und so der Aufwärtsbewegung neue Nahrung verschaffen. Dieser Effekt wird sich jedoch zeitnah erschöpfen, sodaß der zweite Treiber in den Vordergrund rückt: die von der EZB den Banken gespendete Liquidität.

Als Mario Draghi sein Amt antrat, klangen seine ersten Aussagen so, als sei er ein Bundesbanker. Inzwischen verhält er sich jedoch wie ein Greenspan oder Bernanke, für die Liquidität alle Wunden heilt.

Kurzfrisitig hat die Startegie funktioniert: die Risikoprämien auf PIGS-Anleihen fallen, die Einlagen der Banken bei der EZB gehen zurück. Dahinter steht jedoch ein Mechanismus, der das ohnehin schon bestehende Schneeball-System noch toppt. Bislang wurden Banken ja letztlich dafür belohnt, Staatsanleihen zu kaufen, weil sie diese als Sicherheiten bei der EZB hinterlegen konnten. Dieses Spiel hat so lange funktioniert, als Staatsanleihen als praktisch risikolose Anlage galten. Als dann ein Staat wie Griechenland praktisch kollabierte und klar machte, daß es mit der risikolosen Anlage nicht weit her ist, akzeptierte die EZB griechische Anleihen weiter als Sicherheit. In einem weiteren Schritt hat die EZB nun vollends die Schleusen geöffnet und dem Schneeball-System eine eskalierende Dynamik verschafft: Die Banken insbesondere der PIGS-Staaten emitieren Anleihen, die von ihren jeweiligen Staaten garantiert werden und kaufen im Gegenzug Anleihen eben der garantierenden Staaten. All das kann dann bei der EZB als Sicherheit hinterlegt werden. Das wäre schon problematisch, wenn die beteiligten Akteure nicht bis über beide Ohren verschuldet wären. So aber bürgt ein Bankrotteur für den anderen bei gleichzeitig munterem Gelddrucken. Es ist dieser Mechanismus, der das System letztlich aufsprengen wird.

Noch aber versuchen die EU-Verantwortlichen zu retten, was letztlich nicht mehr zu retten ist. Denn der Fehler liegt im Euro-Sytem selbst begründet, die aktuelle Lage ist eben Ausfluß dieses Systems und beileibe kein Zufall (dazu ein andermal mehr).

Charttechnisch hat der Euro seine Ausgangslage naturgemäß verbessert. Mit Bruch der Zone um 1,3320 hat sich die Gemeinschaftswährung den Korridor bis 1,3580/1,3620 frei gemacht. Fällt der Euro hingegen unter die 1,3320, wäre der Ausbruch vom Freitag ein fake, erstes Kursziel dann 1,3030.

Nur wenig verändert hat der DAX die letzte Handelswoche beschlossen. Der Index begann mit einem Aufwärtsgap in Richtung 6900 und markierte am Dienstag sein Wochenhoch bei 6972 Punkten. Seitdem ging es langsam aber stetig bergab, unterbrochen durch eine Zwischenralley nach den überraschend guten ifo-Zahlen am Donnerstag, doch noch am selben Tag sorgte die drastische Senkung der Wchstumsprognose durch die EU-Kommission für einen Abverkauf bis 6730 Punkte, der dann jedoch durch die bullischen US-Märkte wieder egalisiert wurde. Am Freitag lief der Index seitwärts und beendete die Woche auf X-DAX-Basis bei 6850 Punkten.

Im Vergleich zu den US-Märkten wirkt der Dax derzeit eher schwach auf der Brust. Auslöser der heutigen Schwäche ist die Weigerung des IWF, Hilfe für die Eurozone zu leisten ohne Vorleistung der Europäer, sprich der Deutschen. Es hat aber den Anschein, als sei der DAX nach oben hin gedeckelt in der Zone 6900-6970 – kein Wunder angesichts der rasanten Performance seit Jahresbeginn und des völlig überkauften Marktes.

Doch die Warnzeichen mehren sich. In den USA erfolgen die Anstiege nach wie vor unter dünnstem Volumen, Tech-Giganten wie Hewlett-Packard und Dell enttäuschten auf ganzer Linie mit ihren Zahlen. Hinzu kommt, daß der Transportsektor die Rally nicht bestätigt, was angesichts des Ölpreises auch nicht wirklich erstaunlich ist.

Entscheidend in dieser Woche dürfte der neue Liquiditätstender der EZB am Mittwoch sein. Dabei ist die Situation etwas tricky: ziehen die Banken sehr viel Liquidität, könnte dies wieder als Warnzeichen verstanden werden, daß der Bankensektor unterkapitalisiert ist. Ziehen sie zu wenig, wäre die Aktion der EZB im Grunde überflüssig gewesen.

Wir werden sehen. Erst bei einem nachhaltigen Sprung über die 6900 hellt sich die Lage im DAX wieder auf. Es ist bislang immer der große Bruder in den USA, der den Abverkauf des Dax stoppen kann. Mal sehen, ob das auch das nächste Mal gelingt!

Quelle: www.actior.de

Mag. Pharm Marko Hanzelic – Mann, Unternehmer, Apotheker, Journalist, Fußballspieler, Winzer, Gurman, Autoliebhaber, Motivator, Weltenbummler und Weltverbesserer.

Kommentar verfassen